bevormundend, lebensfeindlich und menschenverachtend: Corona-Maßnahmen

Wenn Dein Heim Dich bittet, Dich an die Heimaufsicht zu wenden…

Meine Mutter leidet an fortschreitender Demenz. Auf obigem Bild 2018 hatte sie „nur“ Pflegegrad 4. Seit Corona wurde es nötig, den Grad auf Pflegegrad 5 zu erhöhen. Jetzt bekommt wenigstens das Heim mehr Geld, Mutti hat nichts davon.

Wochenlang, als noch das totale Besuchsverbot herrschte, erfuhr ich bei jedem Anruf immer nur: „Ihre Mutter ist gut zufrieden. Alles wie gehabt.“ – Egal, welche Schwester ich jeweils an der Strippe hatte, egal, wann ich anrief, jedesmal original dieser Wortlaut. Bis ich dann am 7. Mai 2020 aus heiterem Himmel Post vom Heim erhielt, ich solle den Antrag auf Erhöhung des Pflegegrades stellen. „Da sich der Gesundheitszustand von Frau XXX erheblich verschlechtert hat.“ – Ist das die Definition von, „Ihre Mutter ist gut zufrieden. Alles wie gehabt.“ ?? – Immer noch durfte ich nicht zu ihr. Dafür bekommt das Heim jetzt mehr Geld. 

Am 21. Mai durfte ich erstmals wieder unter strengsten Auflagen (Maske, Handschuhe, zwei Meter Abstand, Aufpasser mit im Zimmer, es fehlten nur noch die Gitter vor den Fenstern) zu meiner Mutter aufs Zimmer. Für eine halbe Stunde mit Aufpasser. Meine Mutter kann mich auf die Entfernung gar nicht erkennen. Zu weit weg. Ich habe sie gefragt, was sie auf die Entfernung von mir erkennen kann: „Oben dunkel, in der Mitte hell, unten dunkel.“ Da wird einem doch warm ums Herz und unsere Kanzlerin macht lächelnd die Raute?!

Inzwischen ist meine Mutter nur noch Haut und Knochen. Und fragt mich: „Ich habe doch niemandem etwas getan?“ – Und sagte zu mir: „Es ist nicht schön, so isoliert zu sein.“ Letzteres, als ich erst noch nur von draußen durchs Fenster zu ihr reinbrüllen durfte. Wurde „Besuch“ genannt. Wo ich meine eigene Mutter kaum verstehen konnte. Und sie vor Wut mit der Faust auf die Bettdecke schlug, denn mit Demenz ist es schwer, sich verständlich zu machen. Es gibt lichte Momente, aber dazu kommt ja die Kraftlosigkeit eines multimorbiden, bald 90 Jahre alten, bettlägrigen Körpers. Meine Mutter hat nicht mehr die Stimme, die vier Meter weit trägt. Als ich ging, konnte ich die Tränen nicht mehr zurückhalten.

Immerhin darf ich jetzt zweimal die Woche eine halbe Stunde auf ihr Zimmer.  Aber ich werde behandelt wie eine Lepra-Kranke. Obwohl ich nachweislich keine Symptome habe (selbst die WHO gestand ein, dass symptomfreie Menschen DOCH NICHT die sog. Superspreader sind!). Und vom ersten Tag alle Regeln einhalte, die ich deutlich besser kenne als die, die mich da so abwechselnd abholen. Aber ich werde bei diesen Besuchsterminen von meinem „Aufpasser“ durchs Haus geführt wie ein lebender Gefahrenguttransport. Als wäre ich verstrahlt, während die Bewohner und das Personal ohne Maske rumlaufen.

Egal. Menschlichkeit ist in Deutschland per Notstandsgesetz verboten, weshalb seit jetzt über 3 Monaten Pflegeheimbewohner eine Internierung erleiden, die völlig überzogen ist. 

Denn wenn es das Pflegepersonal schafft, Infektionen zu vermeiden, schaffen wir Angehörige das auch. Stattdessen hält man uns weiter unter Generalverdacht. Während das Pflegepersonal doch nach Feierabend genauso nach Hause geht, Einkaufen fährt, zum Friseur und ins Restaurant gehen darf wie jeder andere auch. Keine Logik dahinter, aber alle machen mit.

Was geschieht mit alten Menschen, die nur noch reglementiert, also viel zu wenig, auf Abstand, nur einen einzigen Besucher „zugeteilt“ bekommen? 

Ein einziger Besucher, der nicht einmal ein Lächeln mitbringen darf? Lächeln mit Maske geht nämlich nicht. Da kann man sich so viele Smileys, wie man will, auf seine Maske malen. Eine ungesalzene Suppe bleibt eine ungesalzene Suppe, auch wenn man in fröhlichen Farben „Gesalzen“ auf den Tellerrand malt. Für „Liebe“ gibt es keinen „Ersatzstoff“. Auch alte Menschen brauchen jemanden, der ihnen die Hand hält, der sie anlächelt und ihnen nahe ist! Und das können nur die eigenen Liebsten leisten, nicht das Personal.

Bei meinen Besuchen im Heim erlebe ich eine Entwicklung, die mir Angst macht. Inzwischen fordert mich eine meiner „Aufseherinnen“ auf, mir sogar die Handschuhe zu desinfizieren. 

Ich hätte am liebsten geweint. So weit ist es schon. Die gute Frau besteht nur noch aus Angst. Desinfiziert erst ihre Hände. Zieht dann Handschuhe an. Und desinfiziert dann ihre Handschuhe. Ich habe ihr dabei zugesehen. Sie macht dabei vieles falsch. Schüttet nur etwas von dem Desinfektionsmittel in die Hand, rubbelt kurz und das wars. Packt dann womöglich noch mit der „desinfizierten“ Hand in die eigene Tasche und nimmt dann die Handschuhe aus der Packung. Und wieder „etwas Desinfektionsmittel“ in die Handschuhhand. Wieder keine 2 Sekunden rubbeln. Das hat mit Desinfektion nichts zu tun. Aber mit Paranoia.

Und sie ist diejenige, die nach meinem Besuch dafür zuständig ist, dass Zimmer meiner Mutter zu desinfizieren. Die neue Form von Keim-Sharing. Werden hier neue Krankheiten gezüchtet, wo sich später die Pharmaindustrie die Hände reibt? Während alle Heimbewohner für ihr Kaspar-Hauser-Syndrom ja zusätzliche Tabletten bekommen können? 

„Diese Massnahmen retten Leben.“ – Massnahmen, die dazu geführt haben, dass viele Heimbewohner jetzt „sediert“ werden. In einem Forum, in dem ich Mitglied bin, fragte eine Pflegekraft an, ob es eine rechtliche Grauzone sei, den Bewohnern nachts Schlafmittel zu geben?

Weil sie sonst nicht mehr ruhig zu halten sind. Dieser Pfleger bat um Absolution für sein Vorhaben. Schlafmittel aus Notwehr wegen Corona. Kein Einzelfall. Jedes Medikament darf aber nur mit Genehmigung des Bewohners bzw. seines Bevollmächtigen/Betreuers gegeben werden. Zu Corona-Zeiten egal. Jeder ist sich selbst der Nächste. Irreversible Schäden sind vorprogrammiert, denn ein alter Körper steckt diese Mittel nicht weg, wie ein junger Mensch. Zwar handelt es sich um einen Straftatbestand, ist Körperverletzung. Egal, „diese Maßnahmen retten Leben.“ Passt doch prima zu unserem neuen „Wir müssen alle Opfer bringen!“. 

Meine Mutter erzählte mir, dass ihr Zimmernachbar inzwischen jede Nacht laute Selbstgespräche führt. Sie kauderwelschte zwar stark, aber es war unmissverständlich, dass sie in Angst und Sorge um ihn ist. So weit ist es also schon: Diesen Mann habe ich die letzten Jahre gut kennengelernt. Ein lieber, charmanter Herr, der eine unübersehbare Neigung hat, zu leiden. Immer in Sorge, was für eine Krankheit das nun wieder sein könne. Von einer Grundtraurigkeit beseelt. Aber pro Woche kam mindestens fünfmal sein Neffe zu Besuch. Ein feiner Kerl, den ich genauso schätzen lernte. Und nach jedem dieser Besuche war „sein Onkel“ erstmal wie ausgewechselt! Der Placebo-Effekt der Liebe! Da hilft kein Aspirin.

Zu erleben, wie dieser alte Mann nach solchen Besuchen immer erstmal strahlte, auflebte und scherzte. Er war einfach glücklich! Was ihm nun genommen wurde. Wird er jetzt demnächst auch aus Notwehr oder „zu seinem Besten“ sediert, medikamentiert, „wir wollen ja nur Euer Bestes!“. Wieso darf niemand mehr selbst entscheiden, was sein Bestes ist? 

Ein Leben in einem Pflegeheim ist schon nicht einfach. Meine Mutter hat mir schon vor Jahren gesagt: „Es ist nicht schön, alt zu werden.“ – Da glaubte ich ihr noch nicht. Inzwischen stimme ich ihr aus ganzem Herzen zu. Denn nur die wenigsten haben ein Herz für die Alten. Es gibt auch genug Angehörige, die sich nicht kümmern. Einige wollen nicht. Andere können nicht. Aber wie können so viele dabei vergessen, dass sie selber einmal alt werden?

Nächsten Dienstag kann ich meiner Mutter vom Bettende zu winken. Dann sind es 13 Wochen, ohne dass ich ihre Hand halten durfte. Das ist fast nicht so schlimm wie die Tatsache, dass sich kaum ein Schwein dran stört. Alte Menschen sind keinen #Aufschrei wert.

Erfahrungsbericht von: Aggi Dunkel

aus: https://www.mwgfd.de/2020/06/wenn-dein-heim-dich-bittet-dich-an-die-heimaufsicht-zu-wenden/

dazu noch vom 23. April 2020 – Klaus Heck:

Schutzhaft in Pflegeheimen


Alle meine ehemaligen Kollegen hüllen sich in Schweigen, sobald ich erwähne, dass ich einen Artikel zu dem Thema schreibe. Ich verurteile das nicht, ich kann es verstehen: Sie sind verzweifelt. Sie sollen Unmögliches zustande bringen und müssen nicht nur befürchten, mal wieder an den Pranger gestellt zu werden, sondern stehen auch mit einem Bein im Knast, egal was sie tun.

Wenigstens erhalte ich einige Informationen von Whistleblowern:

So wird mir ein Mailverkehr zugespielt, wonach ein „Wohnheim-Team“ es für sinnvoll hält

… die Bewohner ab nächster Woche im Wohnheim zu behalten. Eine Ansteckung wäre für unser Wohnheim ein Drama. Ebenso ist es für uns wichtig, zu wissen wie wir uns in einem Notfall verhalten sollen? Wir haben keinerlei Informationen. Im Wohnheim gibt es kein Desinfektionsmittel mehr, wir können keine hygienische Pflege mehr durchführen. Handschuhe sind ebenfalls Mangelware.

Hier plant die Leitung eines Wohnheimes aus NRW, einfach alle mündigen erwachsenen Bewohner einer Behinderteneinrichtung einzusperren.

Weiter wurde mir von einem anderen Heim z.B. berichtet, dass Praktikanten dort mit der regelrechten Jagd auf heimliche Treffen zwischen Heimbewohnern und Angehörigen beauftragt wurden. In diesem größeren Heim ist es den alten Menschen immer wieder gelungen, durch Nebeneingänge dem Ausgangsverbot zu entrinnen und sich in einer nahegelegenen Tiefgarage heimlich mit ihren Liebsten zu treffen. In anderen Häusern werden einfach alle dementen Bewohner in ihrem Zimmer eingesperrt, damit sie nicht unkontrolliert durch die verschiedenen Abschnitte laufen können. Ärzte werden bedrängt, höhere Dosen sedierender Medikamente zu verabreichen. Und vieles mehr. Es ist der reinste Horror!

Alles zum Schutz der alten Menschen und alles, ohne sie zu fragen, welchen und wie viel Schutz sie überhaupt wollen.

aus: https://www.heise.de/tp/features/Schutzhaft-in-Pflegeheimen-4707806.html?seite=all